Lavendelduft, silbriges Laub, warme Steine und ein paar Terrakotta-Gefäße: Der mediterrane Garten ist ein Sehnsuchtsort. Viele Versuche, ihn in Deutschland nachzubauen, enden allerdings nach dem ersten Winter mit braunen Rosmarinbüschen und fauligem Lavendel. Das liegt selten daran, dass es „zu kalt“ war. Meist war der Boden zu nass, der Standort zu schattig oder die Pflanzenauswahl zu optimistisch. Mit der richtigen Planung lässt sich das vermeiden.
Das Kernproblem: nasse Winter
Viele mediterrane Pflanzen wachsen in ihrer Heimat auf kargen, steinigen, gut durchlässigen Böden. Sie kennen trockene Sommer und milde, oft regenreiche, aber rasch abtrocknende Winter. In Deutschland dagegen bleiben schwere Böden im Winter oft wochenlang nass und kalt. Die Royal Horticultural Society (RHS) bringt es für den Rosmarin auf den Punkt: Er hasst nasse Wurzeln, besonders im Winter; kalte, nasse Erde lässt die Wurzeln faulen. Für Lavendel gilt Ähnliches – laut RHS gedeiht er nicht in schwerem Lehmboden oder in Böden, die zu Staunässe neigen.
Die wichtigste Maßnahme beim Anlegen eines mediterranen Gartens ist deshalb nicht der Winterschutz, sondern die Drainage.
Der richtige Standort
- Volle Sonne: Lavendel braucht laut RHS viel Sonne und hält sich im Schatten nicht lange. Planen Sie die sonnigste Stelle des Gartens ein, idealerweise nach Süden oder Südwesten ausgerichtet.
- Wärme: Eine Hauswand oder Mauer speichert Wärme und gibt sie nachts ab. Sie schützt zugleich vor kaltem Ostwind.
- Kein Staunässe-Risiko: Senken, in denen sich Regenwasser sammelt, sind ungeeignet.
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) nennt für bepflanzte Kiesbeete als Voraussetzung einen sonnigen, warmen Standort und ein wasserdurchlässiges, nährstoffarmes Substrat.
Den Boden vorbereiten
Die LWG beschreibt in ihrem Merkblatt zu Kies- und Schottergärten ein bewährtes Vorgehen:
- Bei sandigen oder steinigen Böden: den Boden 30 bis 40 Zentimeter tief lockern.
- Bei Lehm- oder Tonböden: die oberen 30 Zentimeter abtragen und durch mineralisches Substrat ersetzen.
- Standardmischung: zwei Drittel Splitt oder Kies (Körnung 2–16 oder 2–32 mm) und ein Drittel Sand (0–2 mm), dazu bis zu 10 Volumenprozent unkrautfreier Kompost.
- Bei Mischungen mit Oberboden: Der mineralische Anteil sollte 70 bis 90 Volumenprozent betragen.
Auf sehr schweren Böden ist ein Hügel oder ein Hochbeet eine gute Alternative. Die RHS empfiehlt das für Lavendel ausdrücklich: Auf schwerem Boden auf einem Erdwall, einem Hügel oder in einem Hochbeet pflanzen. Auch für Rosmarin nennt die RHS Hochbeet oder Kübel als Lösung bei schwerem Boden.
Kiesbeet ja, Schottergarten nein
Ein mediterraner Garten wird oft mit einem Schottergarten verwechselt. Die LWG unterscheidet klar: Ein Schottergarten ist eine pflanzenleere oder pflanzenarme Steinschüttung, häufig auf Folie oder Vlies. Solche Flächen gelten als ökologisch wertlos, heizen sich stark auf und sind laut LWG in keiner Weise pflegeleicht. Ein Kies- oder Steingarten dagegen besteht aus trockenheitsverträglichen Pflanzen in mineralischem Substrat; die Steine sind nur Gestaltungselement. Entscheidend sei, dass die Pflanzen und nicht der Stein überwiegen.
Gut zu wissen: Einige Bundesländer und Kommunen schränken Schottergärten rechtlich ein. Prüfen Sie im Zweifel den Bebauungsplan oder fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach. Ein dicht bepflanztes Kiesbeet ist davon in der Regel nicht betroffen – und ökologisch ohnehin die bessere Wahl.
Mulch: Stein statt Rinde
Die LWG rät bei trockenheitsliebenden Pflanzen zu mineralischem Mulch; Rindenmulch eignet sich laut Merkblatt nicht. Empfohlen werden eine Körnung von 8 bis 16 Millimetern und eine Schichtstärke von 5 bis 7 Zentimetern. Der Kies hält die Oberfläche trocken, unterdrückt Unkraut und reflektiert Wärme – genau das, was mediterrane Pflanzen mögen. Auf ein Vlies unter dem Kies verzichten Sie besser; es ist laut LWG gerade ein typisches Merkmal von Schottergärten.
Pflanzen, die in Deutschland funktionieren
Die LWG schlägt für einen mediterran wirkenden Kiesgarten unter anderem folgende Kombination vor:
- Lavendel (Lavandula angustifolia 'Munstead'),
- Echter Salbei (Salvia officinalis),
- Palisaden-Wolfsmilch (Euphorbia characias),
- Riesen-Federgras (Stipa gigantea).
Weitere Arten aus den LWG-Pflanzvorschlägen, die gut ins Bild passen, sind Heiligenkraut (Santolina), Blauraute (Perovskia atriplicifolia 'Blue Spire'), Ysop (Hyssopus officinalis) und verschiedene Fetthennen (Sedum). Die LWG rechnet mit etwa 5 bis 8 Pflanzen pro Quadratmeter.
Lavendel: die richtige Art wählen
Die RHS bezeichnet den Echten Lavendel (Lavandula angustifolia) und seine Hybriden als die winterhärtesten Typen; sie können in durchlässigem Boden meist im Freien bleiben. Schopflavendel und andere empfindliche Arten sind laut RHS weniger winterhart und eher kurzlebig. Sie gehören besser in Töpfe und frostfrei ins Winterquartier.
Pflanzzeit ist laut RHS April oder Mai, wenn sich der Boden erwärmt – nie im Winter. Geschnitten wird jährlich im Spätsommer direkt nach der Blüte. Dabei nicht ins alte Holz schneiden, denn Lavendel treibt daraus schlecht wieder aus.
Rosmarin: robust, aber nässeempfindlich
Etablierter Rosmarin übersteht laut RHS Temperaturen bis etwa minus 8 Grad Celsius, wobei strenge Fröste und kalte Winde dennoch Schäden verursachen können. In rauen Lagen ist ein Kübel, der im Winter geschützt steht, die sicherere Variante. Geschnitten wird leicht nach der Blüte, ebenfalls nicht ins alte Holz.
Kübel für die Exoten
Olivenbaum, Oleander und Zitrus sind in den meisten Regionen Deutschlands nichts für das Beet. In großen Terrakotta-Kübeln setzen sie aber im Sommer starke Akzente und können im Herbst ins Winterquartier umziehen. Welche Art welche Bedingungen braucht, lesen Sie in Mediterrane Pflanzen für Kübel.
Gestaltungselemente
- Terrakotta: Gefäße, Amphoren und Pflanzschalen aus gebranntem Ton sind das klassische Material. Achten Sie auf winterfeste Qualität, wenn sie draußen bleiben – siehe Terrakotta-Töpfe richtig auswählen.
- Natursteinmauern und Trockenmauern: Sie speichern Wärme und bieten Lebensraum für Insekten und Eidechsen.
- Warme Bodenbeläge: Terrakottafliesen oder Natursteinplatten auf der Terrasse verbinden Haus und Garten. Was bei der Pflege zu beachten ist, erklärt Terrakottafliesen auf der Terrasse pflegen.
- Sitzplatz im Schatten: Eine Pergola mit Wein oder Blauregen spendet im Hochsommer willkommenen Schatten.
Pflege: weniger, als man denkt
Ein gut angelegtes Kiesbeet ist kein pflegefreier, aber ein pflegearmer Garten. Die LWG nennt ab der zweiten Vegetationsperiode einen Aufwand von rund zwei Minuten pro Quadratmeter und Jahr. Gegossen wird regelmäßig nur im ersten Jahr, danach nur bei extremer Trockenheit. Unkraut wird gezogen oder ausgestochen, nicht mit der Hacke bearbeitet, damit die Mulchschicht intakt bleibt. Stauden und Halbsträucher werden im Februar bis März zurückgeschnitten; Lavendel und Rosmarin schneiden Sie dagegen wie oben beschrieben nach der Blüte.
Fazit
Ein mediterraner Garten in Deutschland gelingt mit drei Zutaten: einem sonnigen, warmen Platz, einem durchlässigen, mageren Boden und Pflanzen, die das hiesige Klima vertragen. Wer Lavendel, Salbei, Wolfsmilch und Federgras in ein gut drainiertes Kiesbeet setzt und die Exoten im Kübel hält, bekommt südliches Flair, das auch nasse Winter übersteht.
Quellen
- Kies- und Schottergärten – vielfältig und naturnah, Merkblatt der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (PDF) — Unterschied Kies- und Schottergarten, Substratmischung, Mulch, Pflanzvorschläge, Pflegeaufwand.
- How to grow lavender – Royal Horticultural Society — Boden, Drainage, Pflanzzeit, Schnitt, Winterhärte von Echtem und Schopflavendel.
- How to grow rosemary – Royal Horticultural Society — Frosttoleranz etablierter Pflanzen, Empfindlichkeit gegenüber Nässe, Kultur im Kübel, Schnitt.